Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Jagd, die weder Leichen hinterlassen noch eine Aufdeckung der Identität zur Folge haben soll, ist die Wahrnehmungstäuschung und Gedankenmanipulation.
Stufe 1: Wahrnehmungstäuschung / Hypnose
Diese Fähigkeit versetzt das Opfer in einen tranceähnlichen Zustand und beeinflusst seine Wahrnehmung bzw. schränkt sie ein. Sie hat Einfluss auf alle Menschen, d.h. auch Alchemisten, Träger des Paläogens und Naturalisten. Auf andere Vampire wirkt die Fähigkeit nicht.
Sie erfordert (zunächst) Blickkontakt und die naturgegebene Aura tut dabei auch ihr Werk, d.h. direkte Nähe und die Aufmerksamkeit der Zielperson muss vorhanden sein. Die Folge für den Menschen, der diesem Einfluss ausgesetzt ist, ist eine eingeschränkte Wahrnehmung, die alles an Umgebung ausblendet und sich nur auf den Blick des Vampirs fokussiert. Das geht so weit, dass der Betroffene keine eigenen Gedanken mehr fassen kann und in diesem Moment willenlos einfachen Anweisungen folgt (‘Sieh mich an’, ‘Komm her’).
Alles, was während dieses Zustands passiert, wird im Nachhinein schlichtweg vergessen und kann auch nicht an einem späteren Zeitpunkt zurückgeholt werden. Mit dieser Fähigkeit ist es Vampiren möglich, von ihren Opfern zu trinken, ohne dass sie sich daran erinnern können.
Um einen Biss oder andere Handlungen unbemerkt ausführen zu können, muss das Opfer vor besagter Handlung hypnotisiert werden, da es nicht möglich ist, Erinnerungen nachträglich zu löschen.
Stufe 2: Gedankenmanipulation
Für diese Stufe ist jahrelanges Training und Erfahrung nötig (meist ist der Vampir schon ca. ein Jahrhundert alt) und ihr Erfolg ist nicht garantiert. Sie ist für den Vampir und seine Jagd nicht überlebensnotwendig, daher gilt sie als so etwas wie eine besondere Spezialisierung. Sie wirkt auf alle Menschen, nur nicht auf Träger eines aktiven Paläogens und andere Vampire.
Die Fähigkeit erlaubt es dem Vampir, unter Einfluss einer Hypnose (Stufe 1) Befehle zu geben, die auch nach der Hypnose ausgeführt werden. Das Opfer wird sich nicht erinnern, den Befehl bekommen zu haben (da unter Einfluss der Hypnose), und daher annehmen, dass die eingesetzten Gedanken dem eigenen Geist entspringen. Der Befehl muss ausführbar sein, d.h. etwas Unbewusstes oder Unmögliches auszuführen, wie das Vergessen von Erinnerungen, Verlieren einer Angewohnheit/ Trauma oder direkte Vorgeben von Gefühlen (á la „Du liebst ihn“), ist nicht möglich. Was aber möglich ist, sind sich wiederholende oder langfristige Befehle, zum Beispiel an eine Bedingung gebunden. „Immer, wenn du in dein Auto steigst, setzte du deine Sonnenbrille auf.“
Mentale Befehle wirken je nach Erfahrung des Vampirs unterschiedlich zuverlässig, aber können prinzipiell immer von tief verwurzelten Ängsten, Gefühlen oder Prinzipien aufgehoben werden.
Beispiel: Der Befehl an eine Mutter lautet: „Du wirst deinen Sohn im Wald zurücklassen.“ Dies widerspricht ihren Gefühlen so sehr, dass sie letztendlich den Befehl nicht ausführt. Sie wird allerdings den Gedanken haben, es zu tun, was zu einem ernsthaften psychischen Problem werden kann. Ähnliches kann auch bei Befehlen zum (Selbst-)Mord oder der Überwindung von Ängsten passieren.
Ist der Befehl ausgeführt worden, verschwindet er aus den Gedanken. Soll eine Manipulation gezielt wieder entfernt werden, muss der Vampir 1. wissen, wie die Manipulation lautete und 2. den Menschen wieder in die Hypnose versetzen, um ihm dann das Gegenteil des eingesetzten Befehls mitzuteilen.
Dagegen sind Befehle, die weder Selbst- noch Fremdschäden verursachen, selten an Gefühle gebunden und werden daher in den meisten Fällen ausgeführt. Sie werden oftmals im politischen Bereich eingesetzt, um z.B. Wahlergebnisse, Unterschriften und Aussagen zu manipulieren.
Vampire sind nachtaktive Jäger, die entsprechend spezialisierte Fähigkeiten besitzen. Ob sie nun ihre ausgewählte Beute anlocken oder sich anschleichen; für beide Methoden nutzen sie ihre sehr gute Körperbeherrschung, die ihnen eine leise Fortbewegung, sehr gute Reflexe bzw. erhöhte Schnelligkeit und ausgezeichnete Balance ermöglicht. Man erkennt die Reflexe oft daran, dass sie schneller ausweichen, angreifen oder sich beim Sturz noch gut auffangen können.
Die allgemeine Muskelkraft eines Vampirs hängt stark – wie fast alle Fähigkeiten – vom Blutgehalt im Körper ab und erhöht sich nicht prompt nach der Verwandlung. Dank der guten Körperbeherrschung fällt es Vampiren allerdings leichter, so ziemliche alle Muskelgruppen im Körper voll anzuspannen und zu kontrollieren (so fällt z.B. Zittern, Zucken usw. weg). Diese Fähigkeit ist die ideale Basis für ein gezieltes Training, das der Vampir aufnehmen muss, wenn er ein erfolgreicher Jäger sein will.
Nur, weil er prinzipiell eine bessere Körperbeherrschung hat, heißt es nicht, dass er allein dadurch automatisch zum ausgezeichneten Kämpfer wird. Muskeln kann er nämlich nicht mehr aufbauen, was bedeutet, dass seine Körperkraft allein nicht wesentlich höher ist als zu seiner Zeit als Mensch.
Aber der Vampirkörper merkt sich motorische Abläufe und kann die Reflexe so gut trainieren, dass er mit der Zeit bis zu 4x so schnell wie zu seiner Zeit als Mensch werden kann. Jemand, der vor einer Verwandlung schon fit und kräftig war, geht mit besseren Veranlagungen in sein Vampirleben und macht schneller Fortschritte als ein unsportlicher Bürohengst. Diese Voraussetzung, der Bluthaushalt und das individuelle Training mit den Jahren entscheiden also über die physische Leistung des Vampirs.
Verletzungen, egal in welcher Form, zieht sich ein Vampir genauso schnell zu wie ein Mensch, aber sie heilen schneller (s. Heilung). Ausnahme ist die Haut im Alter ab 200 Jahren: Da sie widerstandsfähiger wird, ist sie auch weniger leicht zu verletzen: Einen leichten Schnitt mit einem Messer verkraftet sie, aber eine Kugel nicht.
Geruchs- und Geschmackssinn sind nur in Bezug auf Blut spezialisierter, d.h. auch sensibler (s. Wirkung von Blut), wohingegen das Gehör direkt mit der Verwandlung ungefähr doppelt so gut wird wie das menschliche Gehör, bzw. wie es vor der Verwandlung war. Doppelt so gut bedeutet, dass das Vampirohr mehr Frequenzen (hohe und tiefe Töne) wahrnimmt, empfindlicher auf leise Töne reagiert (z.B. den Herzschlag einer Person in der direkten Nähe) und präziser Geräusche differenzieren kann (z.B. Stimmlagen einer Person) – immer unter Berücksichtigung der Umgebungsgeräusche.
Da sich Vampire nicht untereinander einfach spüren können, sind gutes Beobachten der Reaktionen oder Wahrnehmung eines auffälligen Herzschlages gute Indikatoren, um einen anderen Vampir zu erkennen.
Schatten
Eine schwerer zu greifende Fähigkeit ist das Eintauchen in Schatten. Vampire können sich im Schatten vor menschlichen Augen verbergen, aber sie werden nicht transparent oder lösen sich auf. Es scheint vielmehr, dass die Schatten sich um sie verdichten, sodass sie selbst mit einem weißen Hemd direkt hinter jemandem stehen können, ohne gesehen zu werden. Dies macht sie als nachtaktive Jäger so erfolgreich. Ihre Augen sind auch dementsprechend angepasst, weshalb sie bei völliger Abwesenheit von Licht auf eine Nachtsicht schalten, die ihnen ihre Umgebung in einem Weiß-Grün-Spektrum sichtbar macht.
Heilung
Die letzte Fähigkeit ist die Selbstheilungskraft. Wunden, ob nun Knochenbrüche, Schnitte oder Verbrennungen, eines Vampires heilen ca. 5x schneller als bei einem Menschen, solange er genug Blut in sich trägt, also vor der Verletzung keinen Durst verspürt. Ist dies aber der Fall, kann man maximal eine gestoppte Blutung erwarten, aber keine Heilung der Wunde. Ein verletzter Vampir mit wenigen Blutreserven braucht erst mehrere Liter frischen Blutes und Ruhe, um sich wieder komplett regenerieren zu können. Die Heilung beschleunigt sich dann auf das 10-fache. Fremdkörper (Splitter, Kugeln) müssen entfernt werden, sonst wachsen sie ein und die Wunde heilt nur sehr langsam. Vampire haben auf kein Metall oder anderes Material eine bestimmte “allergische” Reaktion o. Ä.
Alle Gliedmaßen, in denen sich keine Organe befinden, können nachwachsen, doch das dauert Tage und benötigt kontinuierlich Blutzufuhr. Verletzte (aber nicht völlig beschädigte) Organe können heilen, aber bei Entnahme nicht ersetzt werden. In den meisten Fällen bedeutet ein Organverlust den Tod, denn auch wenn man glaubt, dass der Körper die meisten Organe gar nicht mehr nötig hat, sind sie Teil des Blutkreislaufes und damit wichtig.
Allgemein haben Vampire eine hohe Schmerzgrenze, was dazu führt, dass ihr Körper die meisten frischen Wunden bis zu einem gewissen Punkt „ignorieren“ kann. Dieser Schutzreflex ist oft notwendig, um sich Zeit zu verschaffen und sich in Sicherheit zu bringen.
Alte Verletzungen, die vor der Verwandlung entstanden und schon verheilt sind, bleiben im Vampirleben vorhanden, z.B. fehlende Gliedmaßen oder auch Narben oder Piercings. Bei alten Tattoos ist es so, dass durch die Veränderung der Haut im Vampiralter die Farbe nach und nach abgetragen und durch die verstärkte Hautschicht ersetzt wird. Das Tattoo wird also verblassen, wenn auch das bis zu 100 Jahre dauern kann. Will man sich allerdings als Vampir Tattoos oder Piercings machen lassen, wird beides scheitern; Das Piercing wird ständig einwachsen und die Haut die Farbe abstoßen.
Vampirblut selbst trägt nicht nur die Essenz der Alterslosigkeit in sich, sondern auch die Heilkraft. Das bedeutet, dass Menschen, die es in geringen Maßen (größere verträgt der Körper nicht) zu sich nehmen, auch davon profitieren können, aber mit anderem Effekt. Wenn Menschen Vampirblut einnehmen, heilen keine Wunden, aber es stellt sich ein kurzzeitiges Hochgefühl („high“) ein sowie ein bis zu 3 Tage andauernder Energieschub. Man fühlt sich, als könnte man Bäume ausreißen, wird nicht so schnell müde und ist generell aufmerksamer. Diese Folgen – sowohl das Hochgefühl als auch die danach eintretende Energie – können abhängig machen und den Menschen dazu bringen, diese Erfahrung wiederholen zu wollen, was für Träger des Paläogens langfristige Folgen hat (s. Paläogen).
Der Vampirspeichel hingegen hat eine heilende und betäubende Wirkung für oberflächliche Wunden, die auch bei Menschen wirkt, und dient vornehmlich dazu, Bisswunden zu schließen und den Schmerz zu minimieren.
Die Verwandlung eines Menschen zu einem Vampir beinhaltet einen Blutaustausch mit seinem Erschaffer. Dabei hinterlässt der Erschaffer Spuren, die ein Leben lang vorhanden bleiben - nicht unbedingt im Blut selbst, sondern in einer Angleichung der Aura des Abkömmlings an die seines Erschaffers. Man nennt dies Blutband oder Erschafferband. Diese Verbindung betrifft nicht den Teil der Aura, den Menschen spüren können, wenn der Vampir eine bestimmte Wirkung erzielen will. Diese Aura wird vom Vampir aktiv gesteuert, kann anziehend oder angsteinflößend wirken und erfordert Aufmerksamkeit des Menschen.
Was zwischen Erschaffendem und Abkömmling Wirkung hat, ist ein Teil der Aura, auf den beide Seiten keinen Einfluss haben, d.h. sie können diese Wirkung nicht steuern.
Es kann von beiden Seiten innerhalb eines Radius von max. 100 Metern (d.h. mehr als 30.000qm) gespürt werden. In seiner größten Distanz ist das Gefühl sehr vage und nimmt bei Annäherung zu, wodurch eine Ortung möglich ist. In weiterem Abstand zueinander besteht kein spürbares Band mehr.
Die Nähe vermittelt beiden Seiten ein Gefühl von Vertrauen und Sicherheit und ist vermutlich der Grund, weshalb Vampire gerne in kleinen Verbunden leben, auch wenn dafür keine zwanghafte Notwendigkeit besteht.
Das Blutband ist nur zwischen Erschaffer und Abkömmling spürbar, nicht für Außenstehende und auch nicht zwischen den Abkömmlingen des gleichen Erschaffers. Vampire können generell keine Aura anderer Vampire spüren, sodass sie sich darüber auch nicht als solche erkennen können.
Dem Erschaffer fällt es dank dieses Bandes besonders leicht, seinen frisch verwandelten Vampir emotional an sich zu binden oder gar für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Oder umgekehrt. Negative Erfahrungen miteinander können das positive Grundgefühl aber überschatten und zu einer ambivalenten Beziehung führen.
Hat ein Vampir mehrere Abkömmlinge, kann er sie über das Blutband allein nicht unterscheiden, doch mit den Jahrzehnten, in denen er viel Zeit mit seinen Abkömmlingen verbracht hat, bekommt das Blutband eine persönliche Färbung, wodurch eine Differenzierung möglich ist. Umgekehrt bedeutet es auch, dass wenig bis gar kein Kontakt eben keine Unterscheidung ermöglicht, und auch abgebrochener Kontakt eine bestehende individuelle Färbung wieder hinfällig machen kann.