Weißt du noch, was du als Kind werden wolltest? Astronaut, Prinzessin oder Feuerwehrmann vielleicht? Und würdest du heute noch dasselbe sagen? Edie schon. Edie wollte immer Friseur werden – oder Barbier. Wobei es doch langweilig wäre, nur mit Männern zu arbeiten…also Friseur! Ob das an seiner frühkindlichen Erziehung lag? Denn der kleine Scissorhands wurde im Salon seiner Mutter groß. Der, in dem sie arbeitete und ihn mitschleppte, weil Kinderbetreuung teuer war. Nur war Inverness jetzt keine großartige Stadt voller Möglichkeiten für den Fan von alten Monsterfilmen, Alternative-Rock und dem Glam-Rock-Style der 80er. Ein bisschen zu viel Punk und Emo für die Nordküste. Ein bisschen zu edgy für die Heimat, zog es den jungen Mann nach seiner Lehre nach Edinburgh. Dort machte er seinen Meister und nutzte jede Gelegenheit seine Handwerkskunst weiter auszubauen. Oh, und er stolperte zufällig über das kleine Geheimnis der Nachtseite der Stadt: Vampire.
Anstatt schockiert oder verängstig zu sein, war er vor allem eines: enttäuscht. Vampire waren keine Untoten. Es gab damit keine triftige Ausrede sich optisch zu vernachlässigen. Vor allem die Haare. Wirklich, wie schwer konnte es sein einen guten Friseur aufzusuchen? Ok, als Vampir an die Nacht gebunden, war es wohl, vor allem in den Sommermonaten, doch eine erhebliche Herausforderung. Doch fürchtet euch nicht! Edie passt seine Öffnungszeiten gerne an die Jahreszeit an. Für sein exklusives Klientel. Denn der gute ist purer Opportunist. Der seine kleine, aber feine Nische gefunden hat.
Von Donnerstag bis Samstag findet ihr ihn im Beauty-Spa-Salon Serenity in Old Town. Zu normalmenschlichen Arbeitszeiten. Aber Montag bis Mittwoch betreibt er seinen kleinen, aber feinen, eigenen Salon. Die Räumlichkeiten mögen winzig sein, aber dafür der pure Luxus. Vergesst die Nackenstarre an den gängigen Waschbecken – wieso nicht wie in Korea im Liegen die Haare gewaschen bekommen und dazu noch ein Head-Spa? Oder in den Genuss eines japanischen Barbier-Erlebnisses kommen? Edie nimmt seine Kunst todernst. Nur gibt es klare Regeln: Ohne Termin geht nix, Manipulation und Zähnchen bleiben draußen und Diskretion ist Selbstverständlichkeit. Denn wer plaudert nicht gerne mit seinem Friseur über Gott und die Welt? Aber pssst – Edie hört dir zu, gut zu, viel zu intensiv zu – aber alles bleibt unter euch. Der Gute hat diese bizarr intensive Art dich anzusehen, als gäbe es nur dich und niemanden sonst. Genauso hört er zu….und hat seine Finger dabei in deinen Haaren. Was ist schon persönlicher Abstand? Pffff, nix für ihn! Aus Berufsgründen.
Wenn er gerade niemanden die Haare schneidet, findest du die wandelnde Informationszentrale am Wochenende in einer Bar, Club oder auf einem Konzert. Tagsüber sieht man ihn oft mit Sonnenbrille und Energiedrink in der Hand durch die Straßen schlendern und Leute gaffen – Verzeihung, imaginär die Welt bereichern durch passende Haarschnitte und Styling. Ach, wenn er doch nur alle vor einem schlechten Haarschnitt retten könnte…
Herkunft: Inverness, Schottland (seit 2014 in Edinburgh)
Alter: 27
Job: Friseur & Kosmetiker (Do-Sa bei Serenity; Mo-Mi im eigenen Reich)
Gruppierung: Zivilist, wissend, kein Paläogenträger
Avatar: Andy Biersack




