Willkommen im Mitternachtsblau, einem Urban/Dark Fantasy RPG. Unser Setting befindet sich in Edinburgh, Schottland und wir spielen im Jahr 2020. Wir navigieren unsere Charaktere zwischen Geheimlogen, Elementaren, Vampiren und einen Untergrundkrieg in ihre Abenteuer - ob sie wollen oder nicht!

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27
JUN

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Mit stolz geschwellter Brust konnte Joaquin dem Russen beim nächsten Mal berichten, wie gut er sich doch mit seinem Abkömmling verstand. In seinen Vorstellungen kraulte ihm Dmitry dabei den Kopf, wo Joaquins Fantasie wieder beim Katzen-Dasein angekommen war.
„Naja, nicht unbedingt Glasgow. Aber ich dachte nur… das du vielleicht deine Heimat vermisst, oder so. Aber ich glaube du willst erst mal nicht zurück, oder…?“ gegen Ende des Satzes hin wurde Joaquin beinahe kleinlaut. Er wollte wirklich nicht, dass Dmitry die Fliege machte. Uralte russische Vampire mit einem Faible für Zerstückelung und Orgasmus-Drinks waren in der heutigen Zeit einfach Mangelware.
mitry erwähnte, dass er Russe war. Joaquin konnte nicht anders, als ihn mit einem Blick zu taxieren der so viel sagte wie: No shit, Sherlock.
"Ich bin mir sicher, dass das ein tragischer Verlust wäre“, entgegnete er mit gespieltem Bedauern und deutete mit einem beiläufigen Kopfnicken auf die Blutkonserve in Tristains Hand. "Außerdem müsstest du dir einen neuen Frühstückspartner suchen. Und seien wir ehrlich – wer außer mir erträgt dich so früh am Morgen, ohne zu murren?“
Tristain, der es irgendwie geschafft hatte, die Kunst des „Ich-bin-da, aber nicht wirklich hier“-Seins auf ein völlig neues Niveau zu heben. Seine Anwesenheit war wie der Moment, bevor jemand versehentlich ein Glas mit Limonade über den Tisch schüttet – ein Moment, in dem alle Anzeichen von Freude, Spaß oder Leben sich verzogen und stattdessen eine dünne, unsichtbare Wand des „Lass mich einfach in Ruhe“-Gefühls hochzog.
Auch Joaquin hatte ein gewisses Ego. Und wenn er etwas ausmachte, dann hielt er sich daran. Außer, es kamen kleinere Vorfälle wie ein unvorhergesehener Genickbruch dazwischen. Natürlich hoffte er nicht, dass jemand Tristain den Hals umgedreht hatte, aber dann wäre ein Nichterscheinen ihn Joaquins Augen wenigstens nachvollziehbar und würde ihn nicht kränken.
Als Tristain die Jagd noch einmal zur Sprache brachte, veränderte sich Dmitrys Grinsen. Es wurde breiter, dunkler, ein Hauch von Bedrohung lag darin wie ein knurrender Wolf, der die Zähne bleckte. „Rache schmeckt am besten, wenn das Echo des Schreis noch in der Luft liegt.“ Und niemand verstand sich besser auf Rache als Dmitry fucking Morozov.
„Ich hatte gar nicht vor, dich gehen zu lassen. Also ja, du darfst natürlich hierbleiben.“ Seine eisblauen Augen funkelten, das Grinsen kehrte zurück, spitz und lauernd. „Und wenn du dich gut anstellst, erlaube ich dir in einem Jahrhundert vielleicht sogar die ein oder andere Übernachtungsparty.“
Seine eisblauen Augen verengten sich leicht, ein spöttisches Glimmen darin. „Daddy hat dich lieb, wolltest du das hören?“ Seine Stimme war neckisch, fast singend, doch hinter dem Spott lauerte eine unausgesprochene Wahrheit.
Dmitry grinste schelmisch. Joaquin erinnerte ihn unweigerlich an Tillys kleinen Bruder Aiden, einen aufgeweckten Knirps von gerade mal zehn Jahren. Diese hibbelige Energie, dieses fast kindliche Staunen – als könne er sein Glück kaum fassen. Kein Wunder. Die Aussicht, von ihm – Dmitry – die Kunst des Vampirseins zu erlernen, war für einen Jungspund wie ihn wohl ein einmaliger Glücksfall.
Kaffee war für Rafael kein Luxus. Kein Genussmittel. Nein – Kaffee war pure, unverhandelbare Existenzgrundlage. Manche Menschen wachten auf und funktionierten einfach. Rafael hingegen brauchte erst den heiligen Kelch – dampfend, schwarz, mit diesem unverwechselbaren bitteren Duft, der seine Synapsen liebevoll in den Tag prügelte.
„Vielleicht nehm’ ich Dich irgendwann einmal mit ins Ghoul. Ist ganz nett dort. Außer du verärgerst den Besitzer. Dann…“ Joaquin schnalzte mit der Zunge und fuhr dann relativ gelassen fort. „… wirst Du mit mehr als nur einer improvisierten Halskrause herumlaufen. Wenn Du dann überhaupt noch laufen kannst. Apropos…!“
Natürlich könnte er zu Dmitry laufen, ihm die Ohren vollheulen und ihn darum bitten, die Geheimkammer zu den Fackeln und Mistgabeln aufzusperren, aber er hatte keine Lust, einen vampirischen Kleinkrieg zu starten. So kleinkariert war Joaquin nicht.
„Ich bin ein bisschen älter. Über einhundert. Aber ich hab’ eine gute Faltencreme.“ Auch wenn Vampire als alterslos erschienen, so errieten die meisten niemals, dass Joaquin seinen dreistelligen Geburtstag bereits seit einigen Jährchen hinter sich hatte.
Wer auch immer zu sagen pflegte, dass ein wenig Smalltalk noch niemandem geschadet hatte, sollte sich besser einmal Joaquins blutigen Hals ansehen.
Tristain klang wie ein trotziges Kind im Sandkasten, das schmollte, weil es die blaue Schaufel statt der roten bekommen hatte.
Dabei war die Erklärung recht simpel: Solomon Marlowe war ein wirklich schlechter Rentner.
Gott, warum waren alle in seinem unmittelbaren Radius so furchtbare Geheimniskrämer? Könnte sie nicht einfach so etwas sagen, wie: Ich bin Ismene, und habe den ganzen Waschkeller voll wandelnder Leichen, damit ich in naher Zukunft die Weltherrschaft an mich reißen kann?
So langsam grummelte es in ihrem Magen, aber sie war eindeutig zu trinkfest, um auf Tristans Labortisch zu kotzen. Noch.
„Ich bin Russe.“ Das zeigte sich vor allem an seinem unverkennbaren Charme. Niemand stieß anderen Leuten mit einer so hohen Trefferquote vor den Kopf wie Dmitry.
Doch er schlüpfte nur aus seiner Jacke und warf sie Joaquin entgegen. Mit übermenschlicher Geschwindigkeit streckte er den Arm danach aus und fing sie so zielsicher auf. Der Fremde wollte, dass er sich damit den Hals verband. Damit er aussah wie ein Vollidiot?
„Man merkt, wer dein Erschaffer ist. Dmitry ist auch kein Freund davon, Informationen auf ein Stück zu teilen.“ Ja… Dmitry Morozov. Joaquin mochte ihn irgendwie, auf eine psychotische und gänzlich abgefuckte Art. Aber das waren Kleinigkeiten.
War er nicht ein netter, toller Kollege, der sich um Archie sorgte und nebenbei überlegte, seine Tochter ans Messer zu liefern?
Nichtsdestotrotz hüpfte sein Herz allein bei dem Gedanken, dass Ace noch Interesse an ihm hatte, wie ein naives, dummes Rehkitz auf und nieder.
Aber wenigstens musste heutzutage nicht mehr so tun, als wäre sie ihre eigene Sekretärin.